Das Geheimnis sofort gelüftet: „Die Trüffel" ist die standardsprachliche Form — der Begriff ist im Deutschen weiblich. Genitiv „der Trüffel", Dativ „der Trüffel", Akkusativ „die Trüffel". Plural „die Trüffeln". So führen Duden, Wahrig und das Schweizerdeutsch-Wörterbuch das Wort. Die maskuline Form „der Trüffel" gilt als umgangssprachlich tolerierte Variante, insbesondere im süddeutschen, österreichischen und teils schweizerischen Sprachraum.
Warum dann auch „der Trüffel"?
Umgangssprachlich, vor allem in Süddeutschland, Österreich und Teilen der Schweiz, hat sich auch das maskuline „der Trüffel" eingebürgert — analog zu anderen Pilzen wie „der Steinpilz" oder „der Pfifferling". Der Sprachgebrauch ist dort nicht falsch, aber nicht standardsprachlich; in einer Speisekarte oder einem Lehrbuch der Mykologie steht „die Trüffel".
Eine zweite Quelle für die maskuline Form ist die Restaurantsprache, die nahe am italienischen Original arbeitet. Italienisch il tartufo ist maskulin; in deutschsprachigen Speisekarten, die direkt aus dem Italienischen übersetzen, wandert das Genus mit. Sprachlich falsch ist das in der Standardform, aber im gastronomischen Kontext als gewachsener Sprachgebrauch verbreitet.
Die lateinische Wurzel
Das Wort stammt über das Altfranzösische vom lateinischen tūber — „Knolle, Schwellung, knollige Wurzel". Plinius der Ältere verwendet in seiner Naturalis Historia (um 77 n. Chr.) die Form tubera terrae, „Knollen der Erde", um die unterirdischen Pilze von den oberirdischen Knollen und den gewöhnlichen Speisepilzen zu unterscheiden. Eine ältere volksetymologische Form, terrae tūber, prägte das Wort auf seinem Weg durch die romanischen Dialekte, in denen die unbetonte zweite Silbe abgemildert und in die heutigen Formen verschoben wurde.
Das lateinische tūber überlebt im modernen botanischen Gattungsnamen. Carlo Vittadinis Monographia Tuberacearum (1831) — die Gründungsmonografie der europäischen Trüffelkunde — behielt die römische Bezeichnung und baute die moderne Taxonomie um sie auf: Tuber magnatum, Tuber melanosporum, Tuber uncinatum, Tuber aestivum. Der Gattungsname wird in wissenschaftlicher Schreibweise immer kursiv und gross geschrieben.
Im Plural
Der Plural lautet eindeutig „die Trüffeln". „Die Trüffel" als Plural existiert in der Standardsprache nicht — auch wenn die Form auf Speisekarten und in Werbetexten gelegentlich auftaucht. Die korrekten Beugungen: eine Trüffel — zwei Trüffeln — drei Trüffeln. Die Form mit -n stammt aus der schwachen Femininum-Deklination und ist seit dem 18. Jahrhundert konstant.
Im Italienischen
Il tartufo — männlich. Daran lässt sich vermutlich erklären, warum in deutschsprachigen Texten, die nahe am italienischen Original arbeiten (Restaurantkarten, Gastronomieliteratur, Importkataloge), häufig „der Trüffel" auftaucht. Die italienische Form ist die direkte Fortsetzung des lateinischen tartufo < terrae tūber, mit erhaltenem maskulinem Genus.
Im Französischen
La truffe — weiblich, wie im Deutschen. Das Périgord-Französische hat dieselbe grammatikalische Logik wie der deutsche Standard, vermutlich weil das deutsche Wort im 16. Jahrhundert über Frankreich nach Mitteleuropa wanderte und das französische Genus übernahm.
- Standardform
- die Trüffel
- Plural
- die Trüffeln
- Umgangssprachlich
- der Trüffel (toleriert)
- In CH/AT/DE-Süd
- häufig maskulin
Schreibweise und Gross-/Kleinschreibung
Das deutsche Substantiv Trüffel wird wie jedes deutsche Substantiv grossgeschrieben („die Trüffel"). In zusammengesetzten Artnamen werden die Adjektive jedoch kleingeschrieben — „die weisse Alba-Trüffel", „die schwarze Périgord-Trüffel" —, sofern kein Eigenname enthalten ist (Périgord, Alba sind Eigennamen, daher gross). Der botanische Gattungsname Tuber bleibt in jedem Kontext kursiv und gross. Der Artbezeichner — magnatum, melanosporum — bleibt kursiv, aber klein.
Die Schokoladen-Trüffel
Eine „Schokoladentrüffel" ist eine Konfektkugel aus Ganache, in Kakaopulver gewälzt. Sie trägt den Namen ausschliesslich wegen der optischen Ähnlichkeit zum knolligen, staubigen Pilz aus der Erde. Sonst haben die zwei nichts gemeinsam. Die Konfektware ist eine französische Erfindung des späten 19. Jahrhunderts; Charbonnel et Walker in London (gegründet 1875) zählt zu den früh dokumentierten Produzenten, belgische und schweizerische Chocolatiers übernahmen die Form innert eines Jahrzehnts. Der Pilz ist älter als die Schriftgeschichte, das Konfekt jünger als die Eisenbahn.
Häufige Fragen
Heisst es „die Trüffel" oder „der Trüffel"?
Wie lautet der Plural?
Warum sagt der Italiener „il tartufo" und der Franzose „la truffe"?
Wird „Trüffel" gross- oder kleingeschrieben?
Ist Schokoladen-„Trüffel" dasselbe wie eine Trüffel?
Glossar
- tūber (Latein)
- Knolle, Schwellung, knollige Wurzel. Die Wurzel jedes romanischen und deutschen Wortes für die Trüffel und der heutige botanische Gattungsname.
- terrae tūber
- Volkslateinisch „Knolle der Erde". Der Ausdruck, der die italienischen, französischen und spanischen Nachfahren formte.
- Tuber (kursiv, gross)
- Der botanische Gattungsname, in wissenschaftlicher Schreibweise immer kursiv und gross. Vom deutschen Substantiv „Trüffel" zu unterscheiden.
- Schwache Femininum-Deklination
- Die deutsche Beugungsklasse, die bei „die Trüffel — die Trüffeln" das Plural-n liefert. Stabil seit dem 18. Jahrhundert.
- Schokoladen-Trüffel
- Eine französische Konfektware aus Ganache und Kakaopulver. Späte 19. Jahrhundert. Optische Ähnlichkeit zum Pilz, sonst keine Verwandtschaft.
Quellen
- Plinius der Ältere (um 77 n. Chr.). Naturalis Historia, Buch XIX. Frühe klassische Erwähnung als tubera terrae.
- Vittadini, C. (1831). Monographia Tuberacearum. Mailand. Moderne Taxonomie der Gattung.
- Duden online, Eintrag „Trüffel, die" und „Trüffel, der" (regionale Variante toleriert).
- Schweizerdeutsch-Wörterbuch — bestätigt regionale maskuline Form in CH.
- Trésor de la langue française — Eintrag „truffe", historische Linguistik der altfranzösischen Glättung.